Social Media: kein neues Tool – eine Geisteshaltung
2. März 2010 | Von admin | Kategorie: BlogDurch die Bürofenster im fimakom-Büro fällt der Blick auf die Rückseite der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Dort, keine 50 Meter entfernt, sind lückenlos alle deutschen und deutschsprachigen Publikationen ab 1913, im Ausland erscheinende Germanica und Übersetzungen deutschsprachiger Werke sowie die zwischen 1933 und 1945 erschienenen Werke deutschsprachiger Emigranten gesammelt, archiviert und dokumentiert – geballtes Wissen in einem imposanten Gebäude, aber eben nur deutsch und erst ab 1913.
Vor mir steht mein MacBook Pro und ich lese im Netz Rezensionen über den Film Agora – Die Säulen des Himmels. In Alexandria lebt Hypatia, die Tochter des Philosophen Theon, eine Astronomin, die ihr Leben der Wissenschaft widmet und als Professorin lehrt. Sie wird im Jahr 415 von fanatisierten Christen getötet. Filme von Alejandro Amenábar waren noch nie leichte Kost, dieser scheint sogar Schwächen zu haben. Harry, irgendein mir fremder Cineast, hat nach einer dreiviertel Stunde enttäuscht das Kino verlassen. Ich werde ihn mir trotzdem anschauen, denn die Thematik ist faszinierend und brandaktuell.
Neue Erkenntnisse, Fortschritt und damit Veränderung haben schon immer auch Angst produziert. Wissen ist Macht und diese kann missbraucht werden.
Fortschritt ist aber nicht dauerhaft aufzuhalten.
Und wieso kommt mir dies alles in den Sinn, wenn ich einen Beitrag zu Social Media für die Homepage von fimakom schreiben will?
Es gibt sie heute mehr denn je – die Hypatias, die forschen und neues Wissen verbreiten. Wikipedia – wenn auch mehr und mehr von besserwisserischen Erstsemestern gegängelt – ist ein Beleg für die Intelligenz der Masse. Und diese muss ernst genommen werden, kann gar nicht missbraucht werden. Denn die Intelligenz der Masse geht so weit, dass sie Vereinnahmung schnell bemerkt, dass sie Missbrauch sofort erkennt und entsprechend abstraft.
Wer denkt, die Netz-Hypatia auch heute noch steinigen zu können, liegt gänzlich falsch. Wer sie nicht ernst nimmt, ist dabei zu verlieren. Wer nur in der Bibliothek sitzt, erfährt längst nicht mehr genug. Es ist alles schrecklich komplex geworden – und doch sehr einfach geblieben: Social Media ist kein neues Tool, das man einfach benutzen, vielleicht sogar missbrauchen kann – es ist (wie Sachar Krivoy meint) eine Geisteshaltung, geprägt von Respekt und einem überzeugten Demokratieverständnis.
Seit 17 Jahren in Medienbranche tätig, zunächst als Analyst, dann als Redakteur, anschließend als Public- und Investor Relations-Berater. Jetzt begeistert von PR 2.0 und Social Media. „Social Media – vom Monolog über den Dialog zum Multilog“.
Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, Banker. Seit 18 Jahren in der Public- und Investor Relations-Branche, langjährige Erfahrungen als Politik-Consultant: „Social Media – die Demokratisierung der PR“.